Sonntag, 9. September 2012

Wahlkampf slightly different

Momentan befinde ich mich in New York City und hier trifft man auf viele interessante Menschen. Und nicht nur das: diese interessanten Menschen veranstalten auch viele interessante Dinge. Man könnte fast sagen, sie sind, bei allem was sie tun, mit mehr Enthusiasmus und Freude dabei, als manch ein Europäer (obwohl ich hier nur von denjenigen sprechen kann, die mir aufgefallen sind - keine Pauschalisierung an dieser Stelle). Was ist momentan an der Tagesordnung? Wahlkampf. Wie bei uns. Die niedersächsische Landtagswahl steht Anfang 2013 auf dem Plan, hier drüben wird allerdings am 6. November ein neuer Präsident gewählt. Wahrscheinlich ist dieses anstehende Ereignis etwas weiter vorne anzuordnen. Aber das mag relativ sein. Dass das Land somit in Aufruhr gerät, das kann man schon verstehen. Republican Romney oder Democrat Obama? Natürlich das Thema. Umfragen zufolge sah es erst aus, als würde es ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen werden, aber Obama legt zu. Ob das an seiner "menschlichen" Art und Weise liegen mag? Romney kommt teilweise doch sehr "kühl" rüber, wie ein business man, welchem es um Geld und um Prestige geht. Aber auch das sind natürlich nur Eindrücke. Dennoch sollte sich Obama keinesfalls die Zeit zum "Ausruhen" nehmen, denn entschieden ist noch lange nichts. 
Eindruck - dieser ist von hoher Wichtigkeit. Wer kennt den Präsidenten, oder eben auch seinen Gegner, schon persönlich und kann sagen: "Er kommt in der Öffentlichkeit ganz anders rüber, als er eigentlich ist" - die normalen Bürger und Bürgerinnen wohl nicht. Doch genau diese sollen überzeugt werden und sind - das ist wohl in kaum einer Demokratie anders - der Schlüssel zum Wahlerfolg. Also ist der Eindruck, welcher hinterlassen wird, wohl doch das entscheidende Kriterium. Allerdings kann man als Kandidat noch so viel Charme haben  - das wird, beispielsweise, überzeugte Demokraten auch nicht dazu bringen, plötzlich den republikanischen Präsidentschaftsanwärter zu wählen.
Nun also zurück zu den interessanten Menschen. Ich schlenderte gestern so die 5th Avenue entlang und bewunderte die Läden und Hotels, wobei sich mir sofort der Magen umdrehte, als ich mir die Preise anschaute. "Irgendwann einmal, wenn ich Geld habe...", dachte ich mir. Aber das nur nebenbei. Plötzlich zerrten mich Lärm und Polizeiaufmarsch aus meinem Tagtraum. Was sah ich: die weiträumig abgesperrte Straße und eine mit viel Gejubel auf der 5th Av. entlangmarschierende Menschentraube. Oben herum mit lila-blauen T-Shirts einheitlich gekleidet  machten sie einen fröhlichen und friedlichen Eindruck. Die Menschen - ein Großteil von ihnen schwarz - arbeiten in der "Gesundheitsbranche" und bekannten sich visuell, sowie auch verbal, zu Obama und seiner Politik. 


Ich musste sofort lächeln und wurde von dem Jubelfieber der Personen, welche am Rande der Absperrungen standen, angesteckt. Auf einem übergroßen Anhänger hatte eine ganze Band ihre Instrumente aufgebaut und eine mitreißende Show - natürlich zu Ehren Obamas - abgeliefert. Warum auch langweilige Wahlstände aufbauen und giveaways verteilen? So werden die am Rande Stehenden immerhin auch noch unterhalten. Die Energie der Kundgeber und Kundgeberinnen hat mich fasziniert. Was kann sich ein Präsident oder eben auch ein potentieller Präsident mehr wünschen, als solch eine Unterstützung? Bei diesen Menschen jedenfalls hat Obama bleibenden Eindruck hinterlassen, was vielleicht nicht zuletzt daran liegen mag, dass er der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist und eventuell für eine weiter Amtsperiode bleiben wird. Nicht nur Obama macht Wahlkampf, sondern bereits überzeugte Demokraten stehen ihm freiwillig zur Seite und versuchen, die Massen zu mobilisieren - für ihre Zukunft.


Romney habe die größere Wirtschaftskompetenz, doch Obama kommt bei der Bevölkerung offensichtlich besser an. Man darf jedoch nicht vergessen, dass Obama nach der Bush-Ära vor einem schwarzen Loch stand, welches es zu stopfen galt. Go from there: wie sieht es also jetzt mit seiner Kompetenz aus? Es geht doch darum, was er in seiner Amtszeit für das Land erreicht hat. Viele Menschen wissen das zu schätzen und unterstützen ihn mit viel Leidenschaft und Eigeninitiative, wie meine kleine Geschichte gezeigt hat. Acht Wochen - welche Richtung werden die USA dann gehen?