Aller Empörung war groß, doch war es nicht bereits sicher, dass der Großteil der Krimbewohner für einen Anschluss an Russland stimmen würde? Dass das Ergbnis mit knapp 97 % allerdings so offensichtlich sein würde, das haben auch die größten Pessimisten nicht glauben wollen. Seit Jahrhunderten ist die Krim umkämpft. Und nun ist wieder einmal ein
entscheidender Moment in der Geschichte der Halbinsel gewesen.
Aber einmal ein paar Wochen zurückgedacht.
Die Ukranie hat es schlussendlich geschafft, einen Schritt in Richtung Veränderung zu machen. Aber kann dieser wirklich als positiv beschrieben werden? Denn was als ein innenpolitscher Konflikt begann, ist nun eine ernsthafte Krise auf internationalem Level geworden.
Ex-Präsident Viktor Yanukovych wurde seines Amtes enthoben und eine Übergangsregierung arbeitet nun an Reformen. Ein im Internet die Runde machendes Video zeigt jedoch angeblich, dass die dafür zuständigen Personen ihre Arbeit nicht ganz so ernst nehmen und Prügeleien in Hinterbüros dazugehören - wenn das die richtigen Reformen auf den Weg bringt.
Ein weiteres Problem ist, dass die Übergangsregierung die Elite, welche eng mit dem ehemaligen Präsidenten zusammengearbeitet hat, komplett ausschließt. Dies mag verständlich sein. Idealistisch gedacht ist es jedoch wichtig, alle Stimmen mit in die Debatte einzubeziehen, auch die offensichtlich ungeliebten. Um langanhaltende Veränderungen sicherzustellen, muss jede einzelne Stimme mit einfließen. So betrachtet scheint momentan eine alle zufriedenstellende Veränderung nicht möglich. Aber kann dies überhaupt jemals erreicht werden?
Es wird leise um Yanukovych. Sein plötzliches Verschwinden wird fast irrelevant, wenn man die Tatsache betrachtet, dass Russlands Staatsoberhaupt Putin der Meinung war, militärische Truppen auf die Krim zu schicken. Putin hat nicht lange gezögert und die angespannte Situation der "brüchigen" Ukraine zu seinem Vorteil genutzt. Er hat sich eingemischt und genau das ist es, was den Konflikt zu einem außenpolitischen hat werden lassen.
Obwohl die USA und Europa vor Empörung aufschreien und das Ergebnis des Referendums nicht anerkennen wollen, so spiegelt dieses den Willen der Krimbewohner wider. "Ist diese Wahl also nicht schon längst überfällig gewesen?", so mag man sich fragen. Das Ergebnis spricht für sich. Nichtsdestotrotz, die Fronten verhärten sich dramatisch.
Was kann und sollte in dieser Situation nun getan werden? Das Dilemma ist eingetroffen. Die Medienberichte haben sich abgewandt von Berichterstattungen aus und über die Ukraine selbst. Mehrere Parteien sind nun in den Konflikt involviert und das macht diesen komplexer als gedacht. Der Westen (wen auch immer wir damit assoziieren) will das Votum nicht akzeptieren, aber dennoch sind Europa die Hände gebunden; der Handlungsspielraum ist begrenzt und man bewegt sich momentan auf ganz dünnem Eis. Die Abhängigkeit von Russland in puncto Öl und Gas sollte nicht unterschätzt werden.
Der Konflikt hat sich nicht nur auf eine internationale Ebene verschoben, sondern wird langsam, aber sicher, auch zu einem wirtschaftlich nicht zu unterschätzenden Problem. So berechnend Putin auch zu sein scheint, es ist unwahrscheinlich, dass er einfach den Energiehahn zudreht. Vorerst. Denn das Geschäft mit Europa ist ein lukratives.
Es wird über Sanktionen gesprochen und diese verhängt. Aber wie viel bringt das noch? Russlands Staatsoberhaupt wird sich davon höchstwahrscheinlich nicht einschüchtern lassen, im Gegenteil. Die Situtation wird noch angespannter werden und das "worst case scenario" wird teilweise bereits prophezeit.
Die schnelle Eskalation der Situation führt zu vielen Fragen. Werden in naher Zukunft mehr Soldaten an Grenzübergängen stationiert werden? Was ist mit Spannungen in der Bevölkerung in ukrainisch-russischen Gebieten? Befinden wir uns kurz vor einem zweiten Kalten Krieg? In Hinblick auf die Ukraine selbst stellt sich allerdings die wichtigste Frage: Wie viel Freiheit hat der Fall des Präsidenten wirklich gebracht?
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