Und nun wurden die Weichen doch gestellt - in die andere Richtung. Aber, war das nicht eigentlich zu erwarten? Zumindest gab es dieses dumpfe Gefühl, dass es keinen deutlichen Sieger geben würde. Von der internationalen also nun einmal auf die Landesebene. Spannender konnte die niedersächsische Landtagswahl kaum werden. Ein Überblick.
Gezittert bis zum Schwächeanfall: gestern Abend lagen Hoch und Tief in Hannover - im Landtag, sowie in unterschiedlichsten Lokalitäten - nahe beieinander. Niedersachsenwahl. Ein neuer Landtag wurde am gestrigen Tage - dann natürlich noch in geheimer Form - gewählt. Als dann um ca. 18 Uhr die ersten Hochrechnungen kamen, da gab es eine große Überraschung - ob negativer oder positiver Natur, das darf sich an dieser Stelle jeder selbst aussuchen -, nämlich das vorläufige Ergebnis der FDP, welches auf 10% geschätz wurde. Leihstimmen? Ganz klar, und dadurch mussten die Christdemokraten eine Menge Stimmen (und somit Prozente) einbüßen. Mit 36% war das Ergebnis eine Enttäuschung - und doch wurde es immer noch im Zusammenhang mit den Liberalen betrachtet, denn im Endeffekt ging es ja um die Koalition und damit um das Ziel, auch die nächsten Jahre wieder die Landesregierung zu stellen.
Freuen durften sich Die Grünen, welche sich von ihrer starken Seite präsentierten (im vorläufigen amtlichen Endergebnis kamen sie auf 13,7%). Und genau das verlieh der Rot-Grünen Koalition Kraft. Stärkste Partei bleibt, wenn auch knapp, die CDU. Aber das nützte ihr leider nicht viel. Dabei sollte es doch keine Leihstimmenkampagne werden. Doch viele Wähler dachten strategisch.
Ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wie es spannender nicht hätte sein können. Zu spannend für meinen Geschmack, denn das führte dazu, dass ich den ganzen Abend vor dem HAZ-Liverticker hockte, restliches Geschehen um mich herum völlig vergaß und so ziemlich alle Szenarien im Kopf durchspielte. Aber das nur am Rande.
Linke? Raus. Piraten? Raus. Es ging also wirklich nur noch darum, welches der beiden Lager die Nase ein Stück weiter vorne hatte - und so entschied schlussendlich ein Mandat den langen Abend. Des einen Freud, des anderen Leid. Fassen konnten es wohl beide Lager zuerst kaum, wurde doch das Letzte aus seinen Mitgliedern rausgeholt. Engagement bis zum Umfallen und das bei diesen Temperaturen. Da soll noch einmal jemand sagen, es gäbe keine Menschen mit eisernem Willen - und sei es in diesem Fall nur auf Politikeben. Vorwürfe kann sich sicherlich niemand machen, denn wenn es um Wahlkampf und damit zusammenhängend natürlich auch um Wählerstimmen geht, so stehen sie alle im Licht der Öffentlichkeit. Aber dann wäre da noch die Frage der Authentizität - und des bereits Erreichten.
Dennoch: nach zehn langen Jahren verabschiedet sich Schwarz-Gelb unfreiwillig vom Regierungssitz und muss Rot-Grün an sich vorbeiziehen lassen. Die Enttäuschung ist nicht zu übersehen, die Gesichter sind lang. Aber was macht das schon? Herr Weil strahlt für alle mit. Und wahrscheinlich kann er es selbst noch gar nicht so richtig glauben - vom hannoverschen Oberbürgermeister ums Knappste ins Amt des Ministerpräsidenten befördert. Wer hätte das nach dem TV-Duell gedacht? Aber auch an diesem Punkt ist alles subjektiver Natur. Und logischerweise stehen die Parteifreunde immer hinter ihrem "Mann" - wäre ja auch merkwürdig, wenn nicht.
Nun heißt es für FDP und CDU: Zähne zusammenbeißen und weitermachen. Es hilft ja alles nichts. Das ist Demokratie. So haben die Wähler und Wählerinnen abgestimmt, wobei die Betonung in diesem Fall wirklich auf "Wähler" und "Wählerinnen" liegt, denn Wahlberechtigte hätte es genug gegeben. Doch viele Menschen machen von ihrem Stimmrecht einfach keinen Gebrauch - für mich unverständlich. Egal, wie das Ergebnis hinterher aussehen mag, man kann zumindest guten Gewissens behaupten, sich aktiv an der Wahl beteiligt zu haben. Und dass wenige Stimmen einen Machtwechsel heraufbeschwören können, das sollte gestern Abend deutlich geworden sein. Zwar lag die Wahlbeteiligung hauchdünn über 57,1% (historischer Tiefstand, Landtagswahl vor 5 Jahren), dennoch gab es eine Menge Luft nach oben, welche nicht ausgefüllt wurde und wahrscheinlich ein deutlicheres Ergebnis hervorgebracht hätte. Welche Richtung es wohl gewesen wäre...
Schluss mit den Spekulationen, denn die bringen auch nichts mehr. Niedersachsen wird nun in der kommenden Periode einen wohl etwas anderen Weg einschlagen. Wir dürfen alle gespannt bleiben (als ob die Spannung gestern Abend nicht schon groß genug gewesen wäre).
Das ist eben Politik. Das ist Demokratie. Es kann alles passieren. Und nun schauen wir mal, wie es mit Niedersachsen weitergeht. Veränderungen sind bekanntlich nicht immer etwas Schlechtes. Doch muss für eine Meinungsbildung wohl die vorherige Situation betrachtet werden - und hier wären wir wieder bei der Subjektivität angekommen. Also, sprechen wir aufgrund des Wimpernschlag-Ergebnisses von einem "schlechten" Gewinner oder einem "guten" Verlierer? Und spätestens jetzt hat wohl jeder etwas zu sagen.
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