Samstag, 20. April 2013

Aus Sport wird Mord - Boston im Ausnahmezustand

Es sollte eine so fröhliche, gar rundum entspannte Veranstaltung werden, dieser Boston-Marathon, welcher jährlich am 3. Montag im April, dem sogenannten Patriot's Day, stattfindet und eines der sportlich-traditionellen Ereignisse der USA ist. Freunde, Verwandte, Bekannte, ganze Familien feuerten ihre Liebsten beim sportlichen Kräftemessen an. Die Stimmung war ausgelassen. Wer denkt an solch einem Tag an etwas Böses, ja gar an einen geplanten Vorfall, der sehr schnell unter der Überschrift "Terrorakte" zu verzeichnen ist? Wahrlich niemand.


Und wieder einmal hat es die USA getroffen, die wohl größte Zielscheibe von Terrorakten. Nach 9/11 ist der Grad der Sensibilität des Landes noch einmal drastisch angestiegen, der Kampf gegen den Terror wurde offiziell eingeläutet - ob nur ein Deckmantel, darüber streiten Menschen bis zum heutigen Tage. Aber der Anschlag auf das World Trade Center soll hier nicht weiter erörtert, sondern vielmehr aktuelle Vorkommnisse betrachtet werden. Denn Fakt ist nun einmal, dass es sich in den USA teilweise gefährlich lebt, besonders an öffentlichen Plätzen, bzw. bei Großveranstaltungen. Natürlich gehen die Menschen nicht täglich mit Angst auf die Straßen oder benutzen eingeschüchtert öffentliche Verkehrsmittel. Nein. Das Leben läuft auch in den Staaten ganz normal ab. Dennoch schwingt bei manchen Menschen ein ungutes Gefühl mit - und sei es nur unterschwellig, sodass es selbst kaum wahrgenommen wird. 

An diesem Montag, vor genau sechs Tagen, versammelten sich abertausende Menschen entlang der Marathonstrecke, um den Läufern mentalen "Beistand" zu leisten. Wenige Stunden waren bereits vergangen, die Profiläufer längst im Ziel. Nun versammelten sich vermehrt die Angehörigen und Freunde der Amateurläufer, so möchte ich sagen, in der Nähe der Ziellinie. Sichtlich stolz waren sie, dass ihre Bekannten bis zum Schluss und mit schmerzenden Beinen durchgehalten haben. Und dann das, was im wahrsten Sinne des Wortes aus heiterem Himmel kam. Innerhalb weniger Sekunden ereigneten sich zwei Explosionen, die der ausgelassenen Stimmung an diesem Tag ein jähes Ende setzten. Das war gegen 15 Uhr Ortszeit, bei uns bereits Abend. Es  gab Tote und Verletzte; das Ziel der Bombenleger erreicht? Verständlicherweise bricht Panik aus. Bis Donnerstag Abend herrschte Ungewissheit in der Bevölkerung, die Medien spekulierten heftig, die Köpfe des FBI liefen auf Hochtouren. Die Verantwortlichen fassen, das war das verbitterte das Ziel. Die Hintergründe der Tat, die waren fast nebensächlich.


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Neben der Wut haben die Menschen mit ihrer Trauer zu kämpfen. Präsident Obama besuchte Boston und versuchte, den Menschen verbal Trost, aber auch Kraft zu spenden. Amerika werde sich nicht terrorisieren lassen, auch im nächsten Jahre werde - wie schon in den Jahren zuvor - der traditionelle Marathon stattfinden. Einschüchtern werde man sich nicht und alle Maßnahmen ergriffen, um diesem Albtraum ein zügiges Ende zu setzen.

Am Abend des genannten Donnerstages, also vor drei Tagen, veröffentlichte das FBI dann endlich Bilder der mutmaßlichen Täter, welche auf Kameraaufnahmen zu sehen sind. Die Bevölkerung war in heller Aufruhr und das FBI konnte sich vor Hinweisen kaum retten - eine gute Sache. Weshalb gerade diese zwei Männer? Die Erklärung leuchtet ein: während die Menschen aufgrund der Explosionen in Panik gerieten, standen die beiden Männer wenige Minuten dort und schauten sich das Chaos, welches sie offensichtlich ausgelöst hatten, an. Ein höchst merkwürdiges Verhalten. Auffällig. Den Tätern nun auf der Spur. Doch die Ereignisse überschlagen sich weiter. Boston kommt einfach nicht zur Ruhe. Wahrscheinlich erschien das Wirkliche für viele Menschen gar unwirklich. Begreifen konnten es bestimmt die Wenigsten. 


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In der Nacht kam es dann zu einer Schießerei. Schwer verletzt stirbt der ältere der beiden Terror-Brüder (26) im Krankenhaus. Auf der Flucht befand sich nun der 19-jährige Dzhokhar Tsarnaev. Es bestand höchste Alarmbereitschaft, sodass am Morgen der gesamte öffentliche Nahverkehr lahm gelegt und einige Stunden später sogar eine Ausgangssperre für ganz Boston verhängt wurde. Beruhigend klang das nicht. Bitte keine Türen öffnen. Logisch, denn wer will einem gefährlichen, unberechenbaren Menschen schon Tee und Kekse in seinem Wohnzimmer anbieten. Falls es denn überhaupt noch so weit gekommen wäre. Über Facebook und Twitter verbreiteten Menschen die Nachricht, bestärken andere darin, ihre Häuser nicht zu verlassen und Ruhe zu bewahren. Das FBI war dem Flüchtling auf der Spur und das Erfolgserlebnis ereignete sich dann am Freitag Abend, nachdem ein Hinweis aus der Bevölkerung einging: jemand hatte an einem Boot im Garten eines Hauses in Watertown Blutspuren entdeckt. Jetzt konnte zugegriffen werden, dies war endlich die heiße Spur. Der junge Mann tschetschenischer Herkunft hatte sich dort versteckt - er war verletzt. Angeblich soll er sich noch ein kurzes Gefecht mit der Polizei geleistet haben, welches ihm dann allerdings zum Verhängnis wurde. Abtransportiert wurde Dzhokhar Tsarnaev nicht im Polizei-, sondern mit einem Krankenwagen. Wahrscheinlich ist auch dies für die Menschen, welche momentan von ihren Emotionen übermannt werden, unverständlich. Sie wollen nur Gerechtigkeit, wobei wahrscheinlich alle Mittel recht wären. Man kann sie verstehen.

Der Täter, er ist gefasst! Als dann diese Nachricht via Twitter ihren Lauf nahm, stürmten die Menschen auf die Straßen. Glücklich. Überwältigt. Aber dieses Gefühl ist wohl eine Momentaufnahme, denn noch ist dieser Fall längst nicht geklärt und die Opfer bleiben.



Fragen sind noch offen. Die  Fragen, die auf das Gemüt so vieler Menschen drücken: "Was ist der Hintergrund dieses Anschlags?" und "Sind die beiden Brüder Einzeltäter oder steckt vielmehr eine Terrororganisation hinter dem Anschlag?"

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