Samstag, 4. Mai 2013

Alltag ist die jeweilige Situation, in welcher man sich tagtäglich befindet

Die Waffen sind noch immer im Einsatz, der Krieg in Syrien wütet weiter. Seit 2 Jahren schon schaut die Welt zu, Sanktionen wurden verhängt, lange Debatten über ein wirksames Eingreifen zum Beenden des gegenseitigen Tötens in einem nun isolierten Land geführt - bis jetzt kein Ende in Sicht. Hartnäckig klammert sich Diktator Bashar al-Asad an seine Macht, hinter ihm die Garde, die schon seinen Vater Hafiz al-Asad bis zu dessen Tod im Jahre 2000 umringt und treu zur Seite gestanden hat. 


Es ist ein Blutbad, jeden Tag. Die Menschen wachen auf, das erste was sie hören, das sind Schüsse - der Tag kann nur besser werden. Wird er das auch? Wahrscheinlich nicht schlechter und besser als die vergangenen Tage auch. Es mag kaum zu glauben sein, aber mit der Situation - ich nehme Aleppo als Beispiel - wird sich arrangiert. Arrangiert? Was bleibt den Menschen auch übrig. Der Straßenverkehr läuft seinen normalen Gang, Personen jeglichen Alters sind auf der Straße unterwegs - bis wieder jemand Alarm schlägt und einen der gefürchteten Kampfjets der Asad loyal gegenüberstehenden Armee sichtet. Dann bricht Panik aus und die Menschen versuchen, so schnell wie möglich einen sicheren Unterschlupf zu finden. Das ist der brutale Alltag in einer der von der "Free Syrian Army" und der Asad-Armee meist umkämpften Stadt.


http://news.bbcimg.co.uk/media/images/65030000/jpg/_65030430_977cju73.jpg
Blick auf Aleppo.

Und während sich ein Teil der Menschen panisch zurückzieht, wenn ein weiterer Angriff droht, dann gehen die Mitglieder der Freien Syrischen Armee erst auf die Straße. Es sind Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben (teilweise sind die Mitglieder auch ehemalige Offiziere der Nationalarmee), Asad und seinen Klan zum Rückzug zu zwingen und wichtige Städte für sich einzunehmen. Aber ist diese Armee wirklich so unschuldig? Ich habe die Möglichkeit gehabt, mit einem 18-jährigen jungen Mann aus Aleppo zu sprechen. Seine Perspektive hat mich zum Nachdenken gebracht.

Ahmad (er hat mir nur seinen Vornamen verraten, weitere persönliche Details wollte er nicht preisgeben) lebt in Aleppo und ist jeden Tag wieder mit den Kämpfen auf der Straße konfrontiert. Ich habe ihn um eine Einschätzung der Situation gebeten und ihn gefragt, was er von den Menschen, die in der Freien Syrischen Armee täglich, mehr als jeder andere, ihr Leben riskieren, hält. Seine Antwort hat mich sehr überrascht: 

"The free Syrian Army here in Aleppo is so bad. Thieves and murderers joined the Army here in Aleppo. Many of them steal. The fight has lasted for two years now and people have achieved many victories but some people have made the free army a bad thing."

Ich war perplex, denn so hatte ich die Dinge noch nicht betrachtet. Ich fragte Ahmad, was genau er damit meine und er antwortete Folgendes:

"Agents of Bashar joined the free army, as well. They spy people out."

Ahmad schien sehr angespannt zu sein. Ich fragte noch einmal genauer nach und bat ihn um seine Meinung bezüglich der Free Syrian Army und der National Army. Seine Antwort war deutlich.

"I hate both of them, by the way, because the free army partly steals and Asad’s army is throwing missiles on people. I talked to members of the free army and I know there are a lot of good people in there. The thieves make the free army look bad.” 

Schlussendlich hakte ich noch einmal nach und fragte Ahmad nach der Situation der Zivilbevölkerung in seiner Heimatstadt Aleppo.

"Bashar cuts off electricity and water and thus controls the minds and psyches of the people.”

Diese Antwort zeigte mir, dass ich mit einem smarten und reflektierten jungen Mann sprach, der sehr wohl hinter die Taktik des Regimes schaut. Ahmad fügte noch hinzu, dass es seiner Familie gut gehen, sie aber so schnell wie möglich in die Türkei fliehen wollen. Doch das Geld sei knapp. Es wird nicht reichen. 

Dann musste er schnell gehen und verabschiedete sich mit einem "So nice to meet you."


Die Gedanken überschlugen sich in meinem Kopf.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Kommentare sind erwünscht - konstruktiv und sachlich dürfen sie sein. Bei positiven Bemerkungen darf den Gefühlen aber auch gern einmal guten Gewissens freien Lauf gelassen werden.