Montag, 30. September 2013

Die Demokratie in der Krise?

Mit einem deutlichen "Ja" kann diese Frage unverzüglich beantwortet werden. Allerdings stellt sich danach eine weitere, auf welche sich womöglich nicht sofort eine Antwort finden lässt: Wie tiefgreifend ist diese sogenannte Krise?


 
Anhand von Umfragen/ Statistiken wird deutlich, dass die Glaubwürdigkeit in die Politiker und somit generell in die politischen Parteien drastisch gesunken ist. Das führt dazu, dass die die Anzahl der Parteimitgliedschaften auf ein beschämendes Tief abgerutscht ist. An dieser Stelle muss allerdings auch gesagt werden, dass nicht nur den Politikern das Vertrauen entzogen, sondern auch Journalisten - den Medien - immer mehr Skepsis entgegengebracht wird.

Was über die Jahre auch erschreckend war: die Wahlbeteiligung. Warum wählen, wenn Politiker doch eh nicht halten, was sie versprechen? Viele Menschen denken heutzutage so - und das lässt die Fundamente der Demokratie erodieren; diese Einstellung könnte ihr das Genick brechen, ihr ihre Legitimität nehmen. Aber genau hier muss bei der Betrachtung der Frage, ob die Demokratie in einer Krise stecke, weitergedacht werden. Unser Lebensstandard verbessert sich, das Level der Gesundheit wird durch die Forschung stetig angehoben und Bildung ist ein Thema, welches ernst genommen wird. Dadurch werden die Menschen kritischer, sie hinterfragen, sie nehmen nicht hin, was ihnen entweder von den Medien, oder auch von den Politikern selbst, gold-glänzend serviert wird. Aber mal so betrachtet: Der höhere Lebensstandard sowie die höhere Lebenserwartung und der Ausbau des Bildungssystems sind doch im Grunde genommen positive Ergebnisse einer Demokratie. Also keine Krise, sondern nur zu viel Wind um "wenig"? Hier gehen die Meinungen auseinander.

Was für die Krise spricht, dass ist die Tatsache, dass aufgrund der drei oben genannten Faktoren (höherer Lebensstandard, Gesundheit/Lebenserwartung, mehr Bildung) kritischer gedacht wird, die Menschen noch anspruchsvoller werden und somit ihre Erwartungen - besonders auch an die Politik - so hoch setzen, dass es deutlich schwieriger wird, Zufriedenheit hervorzurufen. 

Zudem wenden sich die Menschen alternativen Formen von Medien und auch Politik - in Form von Gruppierungen wie Greenpeace, bspw. - zu. Traditionelle (mainstream) Medienplattformen laufen neben neuen Kommunikationsplattformen und Informationsmöglichkeiten her (Blogs, soziale Medien) und stellen diese in Frage.

Warum nun also befindet sich die Demokratie angeblich in einer schweren Krise? Und weiter: Wer oder was hat diese zu verschulden? Die Schuld kann nicht nur in einem Bereich gesucht werden. Diese Krise ist wenn dann aus dem Zusammenspiel mehrer Faktoren entstanden.

- Menschen sind weniger sozial und engagieren sich bspw. in ihrer eigenen Gemeinde deutlich weniger, was wiederum die fehlende politische Partizipation erklären mag.

- Die Globalisierung ist ein bedeutender Faktor. Wieso? Verschiedene große Interessengruppen entziehen den politischen Parteien nach und nach die Macht; es kommt zu einer Verschiebung dieser. Somit wird die Gesellschaft zynischer; Politiker zunehmend machtloser.

- Die Ziele der Parteien unterscheiden sich immer weniger. Wer soll also gewählt werden? Das wirkliche Profil haben viele abgelegt. Zudem fühlen sich mehr und mehr Menschen nicht in ihren Bedürfnissen und Interessen repräsentiert und spüren einen sich weitenden Graben zwischen sich und den Politikern, was dazu führt, dass die Stimme nicht abgegeben wird. Und letztlich fehlt einfach das Vertrauen in ihre Arbeit und auch in ihre Fähigkeit, effektive Lösungen für globale Probleme (bspw. Klimawandel) zu finden.

- Nicht zuletzt sind die Medien ein bedeutender Faktor, wenn es um die Darstellung von Politikern geht. Auch wenn Journalisten weniger Vertrauen entgegengebracht wird, so formen diese auf eine Art und Weise mit ihrern Artikeln oder Berichterstattungen generell die öffentliche Meinung - so auch über "die da oben".

Und dennoch: 88% - 98% der Menschen in etablierten Demokratien sehen diese Staatsform als die beste, obwohl sie nicht vollends zufrieden sind mit ihrer Regierung.

Dann kann es also nicht so schlecht um uns stehen oder warum blüht der Ehrgeiz, etwas verändern zu wollen, nicht auf? Also noch einmal: Befindet sich die Demokratie in einer Krise? Und hier sollte wohl auch an die wirtschaftliche Lage gedacht werden, welche wahrscheinlich in Hinblick auf die "Gesundheit einer Demokratie" eine größere Rolle spielt, als anfangs vielleicht angenommen wird...

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