Sonntag, 14. Juli 2013

Von Recht und Leben

Es ist wieder eine dieser Debatten, bei welcher die Ethik eine ganz zentrale Rolle spielt. Irland ist neben Malta das Land in der Europäischen Union, welches in puncto Abtreibung so gut wie keinen Spielraum lässt. Nun wurde das Gesetz im strikt-katholischen Irland gelockert - doch die Debatte auf der Straße bleibt weiter in Flammen.

Wenn man das Thema Abtreibung betrachtet, so stößt man auf zwei Fronten und genau diese zwei Fronten sind auch gleichzeitig die beiden Blickwinkel in der Debatte: die Seite der schwangeren Frau und jene des ungeborenen Kindes. Nun möchte die Frau aber abtreiben, aus welchen Gründen auch immer, doch dieses ist ihr nicht erlaubt. Stellt sich da nicht sofort die Frage nach der Souveränität der Frau, bzw. nach der Selbstbestimmung in Hinblick auf ihren Körper? Das ist der eine Ansatzpunkt. Konservative Vertreter sehen sicherlich oft die andere Seite und plädieren dafür, dass das Kind lebt - denn ein Herzschlag ist da und es ist auch bewiesen, dass der Embryo bereits in den ersten Wochen beginnt zu "fühlen" und aufgrund dessen Abtreibung gleichzusetzen ist mit Mord. Ist das so? Das mag die Frage sein, die im Mittelpunkt solcher Debatten steht. Eine exakte Antwort darauf gibt es nicht. 

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In Deutschland herrscht ein recht "lockeres" Schwangerschaftsabbruchsgesetz, welches sehr die Eigenbestimmung der Frau unterstreicht. Kriterien sind dennoch, dass vorher an einer Pflichtberatung teilgenommen wurde, der Termin für die endgültige Abtreibung frühestens drei Tage danach vorgenommen wird (von einem unabhängigen Arzt, bzw. einer Ärztin, welche/r nicht bei der Beratung anwesend war) und das noch vor der 12. Schwangerschaftswoche. So ein Gesetz ist wohl in Irland undenkbar. Die Lockerung des neuen Abtreibungsgesetzes besteht darin, dass solch ein Eingriff vorgenommen werden darf, wenn die Schwangere entweder suizidgefährdet, oder aber ihre Gesundheit gefährdet ist. Im Grunde genommen fehlt hier auch das Selbstbestimmungsrecht der Frau - oder nicht? Was den Punkt der durch die Schwangerschaft gefährdeten Gesundheit betrifft, so ist dieser lediglich eine Reaktion auf den Fall einer verstorbenen Frau, welcher ein Schwangerschaftsabbruch verwehrt wurde - und etwas Schlimmes muss erst geschehen, damit die Augen anderer Personen geöffnet werden. 

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Das Recht auf Leben, wer hat es nun? Die Frau, das Kind - oder doch beide? Letzteres kann so manches Mal nicht gewährleistet werden und so fragt man sich: Lieber das Kind oder die Frau? Ganz klar: Wenn die Betroffene sterben würde, bevor das Kind überhaupt zur Welt gebracht werden kann, dann zählt logischerweise das Leben der Schwangeren - sonst würde weder der Fötus noch die Mutter überleben. Dieser Punkt, bzw, diese Frage lässt sich mit ein bisschen Überlegen sicherlich noch von jedem beantworten. Aber was ist nun, wenn eine Frau schwanger ist, ungewollt, dies aber nicht in ihre jetzige Lebensphase passt, sprich, ein Kind ihre Pläne buchstäblich über Bord werfen und ihre Leben komplett auf den Kopf stellen würde? Ja, und genau hier entflammt die Debatte erst richtig. Das Kind kann logischerweise nichts dafür, aber was hilft es diesem, wenn es zur Welt kommt und seine Mutter bspw. am sozialen Abgrund lebt? Was, wenn die Mutter diesem Kind keine Fürsorge entgegenbringen kann? Dies sind nur wenige (dramatische) Fragen, welche sich stellen. Wiederum andere sagen, dass ungeborenes Leben auch Leben ist und demnach auch ein Recht darauf hat. Platt gesagt: es ist die Schuld der Mutter, warum soll das Kind schlussendlich für Fehler büßen?

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Das Thema spaltet die Gesellschaft. Besonders heutzutage möchten viele Frauen ihre Chance nutzen und ein eigenverantwortliches Leben führen. Sie wollen Karriere machen. Die noch in der Mitte des letzten Jahrhunderts zelebrierte Rolle der Frau als Mutter und Hausfrau ist verstaubt. "Planen" lautet das Motto in unserer Gesellschaft und das möglichst weit im Voraus. Absicherung wird wichtig, ein sorgenfreies Leben soll es sein. Das alles kann aber schnell einmal durch die Nachricht "Schwanger: Positiv" ins Wanken geraten - und dann? Heutzutage gibt es fast immer - generell gesprochen - die Möglichkeit, zu wählen, zu entscheiden

Sollte Frauen nicht auch in Hinblick auf "Leben" die Wahl gelassen werden?

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