Montag, 22. Juli 2013

Achtung: Umsonst!

Was umsonst ist, das wird generell gern genommen, besonders dann, wenn es essenziell ist für die körperliche Entwicklung des Kindes, ja genau dann, wenn die Eltern beinah unter - oder sie tun es schon - der Armutsgrenze leben und sich solch eine Mahlzeit am Tag, für ihr Kind, nicht leisten können. Die Lösung: Ein Mittagessen gibt es an staatlichen Schulen in vielen Bundesstaaten Indiens gratis. Damit soll auch bezweckt werden, dass ein größerer Anteil an Kindern auch wirklich zur Schule geschickt wird und so Bildung erlangt. Bildung, die eventuell dazu beiträgt, später einmal ein besseres Leben zu führen. Vielleicht. Subventioniert wird dieses Essen und gut soll es natürlich für die Kinder sein, indem es wichtige Nährstoffe enthält. Ein guter Plan, welchen die indische Regierung ins Leben gerufen hat. Doch vorsicht, "umsonst" kann lebensgefährlich sein.


Es wird nichts Böses geahnt. Nein. Die Eltern der Schulgänger_innen sind sicher froh, dass ihre Schützlinge eine ordentliche Mahlzeit am Tag bekommen. In dem durchschnittlich sehr armen indischen Bundesstaat Bihar, im Norden gelegen, standen auf dem Mittagsmenü vor Kurzem Reis und Linsen. Etwas Ordentliches, sehr nahrhaft, so möchte man doch sagen. Die Lieblingsspeise ist dies wahrlich nicht von jedem Kind, verwöhnt ist der Westen - um es einmal zu generalisieren -, aber jene, welche in Bihar die Schule besuchen, welche an diesem bestimmten Tag genau das Mittagsgericht anbot, freuten sich mit Sicherheit darüber. Satt werden, das ist wichtig. Doch die Bauchschmerzen und die Übelkeit kamen...und plötzlich war es vorbei.

Der Skandal (wobei dieses Wort in meinen Augen noch zu milde ist): Insektengift im Reis! Entweder bricht man bei dieser Information in laute Empörung aus, oder aber es fällt schwer, dies überhaupt erst einmal zu "verdauen." Wie in Gottes Namen kann so etwas passieren? Selbst im Futter für Tiere wäre dieser Fund wahrscheinlich ein Fall für die Öffentlichkeit, aber Gift in menschlicher Nahrung? Achtung: Umsonst.

Kinder zwischen 8 und 12 Jahren sind vor wenigen Tagen an den verheerenden Folgen gestorben, andere liegen noch im Krankenhaus und kämpfen - zerbrechlichen und klein sind ihre Körper - gegen den nahenden Tod. Schlechte Lebensmittel benutzen, nur weil das daraus zubereitete Mahl umsonst ist? Nach dem Motto: Die Familien können sich sowieso nicht mehr leisten, also merkt auch keiner die "Schlechtigkeit" der verwerteten Lebensmittel? Hauptsache umsonst. Wer kann das mit seinem Gewissen vereinbaren? Wer tut so etwas? Das sind die Fragen auf der einen Seite. Aber noch einmal anders betrachtet: Wie kann verwendete Nahrung so dermaßen schlechter Herkunft (Herstellung, Lagerung etc.) sein, bzw. die Verarbeitung dieser zu einer Mahlzeit so unhygienisch - das erscheint mir als das richtigeWort -, dass allen Ernstes Gift für Insekten seinen Weg hinein findet, oder eben gefunden hat?

Indien und Hygiene - ein Thema, welches nie vom Tisch verschwindet und von vielen Menschenrechtlern angeprangert wird.

Die Menschen sind auf die Straße gegangen, die Eltern derjenigen Kinder, welche gestorben sind, sind unströstlich. Aber der "Lichtlick": Den Familien der Opfer wurde eine Summe von ca. 2.500 Euro versprochen. Vielen Dank. Das wird den emotionalen Schmerz der Angehörigen ganz sicher lindern. Gibt man nicht für so viel Geld gern das Leben seines Kindes, besonders dann, wenn es einem finanziell selbst schlecht geht? Eine sogenannte "Entschädigung" wird es dann wohl geben.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Kommentare sind erwünscht - konstruktiv und sachlich dürfen sie sein. Bei positiven Bemerkungen darf den Gefühlen aber auch gern einmal guten Gewissens freien Lauf gelassen werden.