Syrien - mal wieder. Wahrscheinlich sollte man eher sagen: "Leider immer noch." Immer neue Berichterstattungen, wenig Neues im Kampf um den Sturz des Regimes. Und doch: jedes Mal schwingt ein leiser Hauch von Hoffnung mit - nur um ganz schnell wieder durch eine neue grausame Nachricht zunichte gemacht zu werden. Man sitzt, man denkt, man reflektiert. Wie ist es möglich, dass die Menschen in dem Land nun schon seit zirka 16 Monaten in Angst und Schrecken leben, wahrscheinlich keinen erholsamen, ruhigen Schlaf haben, Tag für Tag ihr doch unter diesem Umständen armseliges Leben versuchen zu schützen?
Denn das ist es, woran jeder hängt - Rebell oder Regimeanhänger. Aber was soll man auch tun? Es wird für die Zukunft gekämpft, mutig und doch teils "zerschlagen". Es ist wie eine Achterbahnfahrt: mal geht es steil bergauf, die Hoffnung wächst bis ins Unermessliche, aber plötzlich kommt der Fall und jeglicher "Erfolg", hin zu einem freien Syrien, ohne Leid, ohne Schmerz, mit der Erlaubnis, seine Meinung frei äußern zu dürfen, scheint einfach so zu verpuffen.
Wie nun soll es weitergehen? Man hat das Gefühl, dass aus diesem ganzen Dilemma kein Ausweg gefunden wird oder gar gefunden werden kann - Hängenbleiben in der Dauerschleife. Hin und her, vor und zurück. Nachdem der UN-Sonderbeauftragte, Kofi Annan, ein drittes Mal nach Syrien gereist ist - diesmal soll das Gespräch mit Assad vielversprechend gewesen sein - scheint nun wieder neuer Mut aufgekommen zu sein. Die Betonung liegt auf "scheint". Nachdem der erste Versuch einer Resolution kläglich gescheitert ist - man kann sich insbesondere bei der Vetomacht Russland bedanken - soll nun ein zweiter Anlauf gestartet werden. Doch dieser erweist sich als sehr zäh. Es soll auch dieses Mal wieder an Russland liegen? Klare Position: Sanktionen werden nicht akzeptiert. Kurze Frage: was genau sagen denn die Russen zu den Vorkommnissen im Sorgenland? Wie "schlimm" - das Wort wird im Zusammenhang mit Syrien hyperinflationär gebraucht - muss es denn noch werden, bis man sich endlich dazu bereiterklärt, zu handeln? Natürlich liegt es nahe, dass bei entsprechenden Maßnahmen in die Souveränität Syriens eingegriffen wird, aber was bleibt denn der Staatenwelt anderes übrig? Russland bleibt stur - bis sich Syrien buchstäblich selbst zerstört hat. Und was sagt man dann? Immerhin wurde keine weitere Gewalt von Dritten angewendet - hauptsache, es lässt sich ohne Gewissensbisse ruhig schlafen. Aber verständlich, dass Russland so reagiert, denn Syrien ist schließlich einer ihrer größten Waffenkunden. Wie ironisch. Aber wenn sich das Land von innen heraus selbst vernichtet, dann wird Russland so oder so seinen treuen Waffenabnehmer verlieren. Knackpunkt: unterstützen die Russen nicht indirekt das Massaker auf syrischem Boden? Schließlich sind sie Waffenlieferanten. Wahrscheinlich wird soweit erst gar nicht gedacht. Ist Russland aber klar, dass sie sich quasi für diesen Bürgerkrieg aussprechen, dann ist der Begriff "eiskalt" eher lauwarm, denn es gibt wohl keine passenden Worte, welche dieses Verhalten, diese Ansichten oder gar "Logik" treffend beschreiben könnten. Aber das Land wäre wohl nicht das erste, welches rein ökonomisch denkt und argumentiert. Das bedeutet also, die Moral wurde komplett vergraben? Man darf nicht vergessen, dass dieses Land auch gern einmal Gesetze gegen sein Volk erlässt.
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