Dienstag, 28. August 2012

Das Unbegreifliche

Und einmal in die menschliche Psyche abtauchen: wirr und undurchsichtig sieht sie aus. Um dort durchzusteigen, bedarf es wohl jahrelanger Erfahrung und auch dann gelingt es nicht immer. Aktueller Fall: Anders Behring Breivik. Jeder kennt ihn mittlerweile, jeder weiß, was er Norwegen und den einzelnen Familien mit seiner herzlosen Grausamkeit angetan hat. Andere Länder fühlen mit. Der Prozess gegen ihn kommt nun endlich, nach 10 Wochen, langsam aber sicher zu einem Ende. Norwegen hat diesen gebannt verfolgt, mit Wut und auch Trauer. Jedoch steht die Frage aller Fragen noch im Raum, eine Frage, die für viele Menschen, besonders in Norwegen, nicht nachvollziehbar ist: Ist Breivik zurechnungsfähig oder nicht? 


Die Antwort entscheidet darüber, ob der Massenmörder in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen wird, oder "doch nur" eine Gefängnisstrafe bekommt. Aber was bringt diese Frage überhaupt? Ob zurechnungsfähig oder nicht: Breivik hat Menschen auf dem Gewissen, viele Menschen, welche er kaltblütig umgebracht hat. Kinder und Jugendliche - sie alle hatten doch nur den Spaß vor Augen und viel wichtiger: sie hatten noch ihr ganzes Leben vor sich. Stattdessen sind viele Opfer einer solch grausamen Tat geworden.
Ich wage zu behaupten, dass nicht das quälende Warten auf die Antwort der Frage einen in Rage bringt, sondern das ach so hämische Grinsen des Angeklagten, wenn über seinen psychischen Zustand gesprochen wird. Man möchte ausrasten. Ist er amüsiert darüber, dass seine Zurechnungsfähigkeit überhaupt in Frage gestellt wird - wo er ja im Grunde genommen selbt betont, dass er "voll bei Bewusstsein" sei - oder ist es, andersrum, das Ginsen eines psychisch Kranken, welcher in seiner eigenen Welt lebt und diese nicht mit der Realität zu trennen weiß? Zufriedenstellende Antworten wird es kaum geben. Fakt ist aber, dass, ob Einweisung in die geschlossene Psychiatrie oder die Abführung ins Gefängnis, Breiviks Strafe nicht annähernd die von ihn angerichteten Grausamkeiten kompensieren und somit besonders den Angehörigen der Opfer kein Gefühl der Genugtuung oder Zufriedenheit geben wird. Zu stechend wird der Schmerz über die Verluste bleiben, zu groß wird die Unfähigkeit sein, das Geschehene wirklich begreifen zu können. Bleib also schlussendlich die Frage - neben all den anderen - was denn mit solch einem Menschen bestenfalls geschehen solle. Wer sagt, dass die Norweger vor Breivik, wenn er in der geschlossenen Psychiatrie landen sollte, sicher sind? So einem Menschen ist alles zuzutrauen. Auf das endgültige Urteil muss nun allerdings noch wenige Wochen gewartet werden - die Anspannung ist groß. Und schlussendlich wird er, Breivik, wieder dasitzen, sichtlich ruhig und mit demselben schäbigen Grinsen auf dem Gesicht und, mehr oder weniger, in seiner Realität leben - auch unsere?

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