Richten wir unseren Blick einmal auf Russland: momentan ist dort viel los und auch andere Länder melden sich zu Wort. Das Debakel um die russische Punkband Pussy Riot ist noch längst nicht vorüber, einmal mehr wird Kritik an Putins Politik laut.
Eine Kathedrale als Ort "radikaler" Kundgebung - die konservativen Anhänger Putins, sowie der Präsident selbst, waren weniger begeistert von dieser Art der Kritikäußerung. Apropos Kritik äußern: das sollte man in Russland lieber unterlassen, ansonsten sitzt man schnell dort, wo die drei jungen Feministinnen nun Platz nehmen "durften", nämlich im Gerichtssaal. Heute wird das Urteil erwartet. Gefordert wurden teilweise sieben Jahre Haft, mittlerweile werden drei Jahre Gefängnis in Betracht gezogen. Der internationale Druck hat den ach so strengen Putin wohl doch ein wenig weichgekocht, sodass selbst er in einem Interview eine mildere Strafe fordert. "Religionshass" und "Feindseligkeit" werden den drei Frauen vorgeworfen.
Bei solch einem Aufsehen kommt die Frage auf, welche Rolle Künstlern zukommt, wenn es darum geht, Reformen in einem Land, in welchem einem Hände und Füße gebunden sind, möglichst durchzusetzen. Es ist gelungen, nicht nur in den eigenen kleinen Kreisen in den Mittelpunkt der Diskussionen zu rücken, sondern weltweites Aufsehen zu erregen. Viele Menschen mögen - von einem religiösen Winkel aus betrachtet - die radikale Aktion der Band als Anmaßung betrachten, doch eines muss man den drei Frauen lassen: sie haben Mut bewiesen, auch wenn sie jetzt dafür bestraft werden. Kaum vorstellbar, dass man, generell gesehen, für die Äußerung seiner andersartigen Meinung ins russische Gefängnis wandern kann. Das mag wohl auch der Grund dafür sein, weshalb sich russische Künstler im Dunkeln verschanzen und sich nicht zu dem Vorfall äußern. Wer will schon danach an der Reihe sein und den Prozess gemacht bekommen? Vielen hat diese Art von Staatsreaktion auf unliebsame Dissidenten wohl den Wind aus den Flügeln genommen und eingeschüchtert - das Ziel der Putin-Regierung. Keine abwegige Annahme.
Die drei Damen hingegen scheinen die Aufmerksamkeit zu genießen, auch wenn sie nun die Konsequenzen für ihr Verhalten tragen müssen. Sie haben für Aufruhr gesorgt und die Gegner Putins mobilisiert.
Besonders die gebildete, etwas alternative Jugend wurde vom Demonstrationsfeuer gepackt. Die Zusände im eigenen Land wollen sie ändern und protestieren somit heftig gegen den Prozess. Die russische Polizei dürfte heute vor dem Gericht alle Hände voll zu tun haben. Die Forderungen: wirkliche Demokratie, echte Gewaltenteilung und somit das Recht, auch mal kritisch sein zu dürfen. Gäbe es dieses Recht, hätte es die provozierende Aktion von Pussy Riot unter Umständen gar nicht gegeben. Aber: Aufmerksamkeit scheint von besonderer Bedeutung zu sein. Gut so, ansonsten beliefe es sich wohl doch auf sieben Jahre Haft. Bleibt nur die Frage, ob das Urteil wirklich in den Gerichtssälen gefällt wird.
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