Dienstag, 28. August 2012

Nachbarschaftsstreit - Anfang eines bösen Endes?

Die Türkei schlüpft aus ihrer eher zurückhaltenden Rolle, hinein in eine offensivere. Nachbarschaft hin oder her, der Abschuss des Kampfjets auf friedlicher Mission, durch die syrische Luftwaffe, wird nicht akzeptiert. Der türkische Ministerpräsident Erdogan übt scharfe Kritik und wird deutlich: erlaube sich Syrien noch einen ähnlichen Fehler, werde die Türkei auf ihre Art und Weise handeln. 
 
"Auf ihre Art und Weise" zielt in diesem Fall auf einen militärischen Gegenangriff ab. Und hier kommt das Problem: Die Verhältnisse in Syrien sind die eine, Spannungen zwischen dem besagten Land und der Türkei die andere Sache. Es gäbe, international betrachtet, einen weiteren großen Konflikt, in welchen Syrien involviert wäre, allerdings aufgrund eines - bewusst oder nicht - Anschlages auf die Türkei. In puncto syrische Regierung würde man wieder nicht vorankommen. Momenten sieht es also eher düster aus. Die beiden Besatzungsmitglieder bekommen von all dem nichts mit: sie mussten ihre Leben lassen - unschuldig.

Der Abschuss des türkischen Kampfjets wurde als Angriff auf die NATO gewertet - gestern fand sich der NATO-Rat zusammen. Die Türkei wird unterstützt, was sie jedoch gegen ihren Nachbarn unternimmt, das bleibt ihre eigene Entscheidung. Fazit des Zusammentreffens: einen militärischen Schlag gegen Syrien wird es nicht geben - vorerst?! Zumindest keine kollektive Gewaltanwendung. Die Türkei hat allerdings ihren ganz eigenen Plan. Auch wenn man die momentane Situation als die Ruhe vor dem Sturm bezeichnen kann, so brodelt es innerhalb der türkischen Ländergrenzen doch ordentlich. Es wird stark mit den syrischen Rebellen sympathisiert und man wolle dem Volk "jede Art von Unterstützung zuteilwerden lassen." Betrachtet man diese Aussage einmal genauer, so könnte man meinen - natürlich alles rein spekulativ - der Abschuss des Kampfjets kam zum richtigen Zeitpunkt, denn genau jetzt hat die Türkei einen ordentlichen und weitestgehend vernünftigen Grund, ihr Militär im Falle Syrien einzusetzen - und das zur Befreiung des Volkes. Geht es hier also wirklich um bloße Rache oder wurde lediglich ein Grund gesucht, welcher das zukünftige Vorgehen rechtfertigt? Selbst wenn Letzteres der Fall ist: könnte dann ein Schlag von der Türkei einfach so hingenommen werden? Eine schwierige Frage. Der Tiefpunkt der syrisch-türkischen Beziehung ist erreicht und alle Welt hält wieder einmal den Atem an. Kann das alles gut gehen? Fragen über Fragen. Kommt es zu einer ernsten, einer militärischen Auseinandersetzung zwischen den beiden Ländern, dann ist das Jammern der übrigen Staaten groß und vielleicht der Stein ins Rollen gebracht worden, der zwangsläufig - und ich spreche im weitesten Sinne von den NATO-Ländern - die anderen Länder doch zum aktiven Handeln zwingt?
Tritt das oben erwähnte Szenario ein, dann steht auch das Thema Gewalt im Raum. Ob es dann gut oder schlecht, beziehungsweise moralisch verwerflich ist, darüber muss dann nicht mehr diskutiert werden. Die Aufgabe lautet dann wohl: Schäden so gering wie möglich halten. Aber wie wird bei einer blutigen Auseinandersetzung "geringer Schaden" definiert? Dunkel, böse und zum Haare raufen ist diese Vorstellung. Aber einmal zurück zur jetzigen Situation. Die völlige Eskalation blieb bis dato aus, allerdings rollen schon jetzt an der südlichen Grenze zu Syrien vermehrt Panzer an. Die Türkei betont, dass jeder syrische Soldat als Feind gewertet werde. Der Frieden und die Sicherheit in der Region sind gefährdet - und die Menschen haben Angst. Zukünftig wird nicht mehr nur auf die Gewalttaten in Syrien geschaut, sondern auch auf das angespannte Verhältnis der beiden Nachbarstaaten geblickt. Ein Ausarten? Wünschen tut sich das im Grunde genommen doch niemand.

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